Home » Hewlett Packard

Archiv der Kategorie: Hewlett Packard

Hewlett Packards HP-IB

Hewlett Packards HP-IB:

Ein praktisches Interface-System (nicht nur) für elektronische Instrumente

Einleitung

Unter diesem eher unscheinbaren Titel, hier ergänzt um ein „nicht nur“, erschien im Oktober 1972 im Hewlett-Packard Journal ein Artikel, der damit warb, das Verbinden von Instrumenten zu einem digital kontrollierten System zu einer einfachen Sache der Verkabelung zu machen (Nelson und Ricci 1972). Die Entwicklung eines neuen Interface-Systems, des Hewlett-Packard Interface Busses (HP-IB), wurde seinerzeit von dem Wunsch und der Notwendigkeit getrieben, in der Elektronikfertigung automatische Testsysteme zur Verfügung zu haben – was darauf hinaus lief,
immer mehr Messtechnik auf einfache Art und Weise miteinander verbinden zu müssen. Voraussetzung hierfür: Verlagerung von Funktionalität heraus aus dem Computer in die Messinstrumente selbst. Das System arbeitet byte-seriell – benötigt somit acht Datenleitungen – unter Verwendung der typischen TTL-Spannungspegel. Weitere sieben Steuerleitungen vervollständigen das Systen. Es können bis zu 15 Geräte miteinander verbunden werden. Obwohl in der Standardisierung als IEEE-488 (auch IEC-625) bezeichnet, ist die von Hewlett-Packard ursprünglich gewählte Bezeichnung HP-IB auch heute noch üblich. Da mit der Zeit auch kompatible Komponenten auf den Markt kamen, die nicht von Hewlett-Packard entwickelt und produziert wurden, kam ergänzend die Bezeichnung GPIB oder GP-IB auf. GPIB wird auch mit General Purpose Instrumentation Bus übersetzt, was die eher messtechnische Ausrichtung betont.

 

Abb. 1a (links oben): Alles hat ein Ende, nur die … – IEEE-488 Stecker und Buchse eines HP-IB-Kabels.
Abb. 1b (links unten): Der rückseitige HP-IB-Anschluss eines HP 9122D Diskettenlaufwerkes.
Abb. 2 (rechts): Die Gänseblümchen-Topologie des Bussystems: Das „daisy-chaining“ steht für eine mögliche serielle Anordnung der Module, hier gezeigt und ebenfalls erlaubt: eine sternförmige oder „sandwich“-Konfiguration. Die Kabelbezeichnungen „A“, „B“, „C“ und „D“ stehen für verschiedene Kabellängen: 1m, 2m, 4m und 0,5m.

Insbesondere in Messsystemen sind die qualitativ hochwertigen HP-Geräte auch heute noch gefragt. Allerdings zeigte sich in den 1970er-Jahren: Auch Computersysteme stellen ähnliche Anforderungen um unterschiedlichste Komponenten auf einfache Art und Weise miteinander zu verbinden und miteinander kommunizieren zu lassen. Der zeitgemäße Computer verlangt(e) nach der simultanen Anbindung von Diskettenlaufwerken, Festplatten, Druckern, Plottern – möglichst ohne Grenzen. Eine Aufgabe, wie geschaffen für den gerade vorgestellten HP-Interfacebus HP-IB.
Verschiedene HP-Computerbaureihen der 1970er bis 90er Jahre können sich auch in der Gegenwart einer Fangemeinde sicher sein. Ein wesentlicher Grund hierfür: die durch das HP-Interface erzeugte Modularität und Flexibilität in Verbindung mit einer Vielzahl von Komponenten, die äußerst gut dokumentiert sind. Der HP-Interfacebus hat fast etwas Janusköpfiges: nicht totzukriegen in der Messtechnik, als Interface für periphere Standard-PC-Komponenten mittlerweile eine historische und häufig unbekannte Größe.
Die Autoren haben sich beider Seiten angenommen – und ihnen liegt die Zusammenführung am Herzen. Der hier zu lesende Beitrag wird sich mit einigen Aspekten des „Retro-Computing“ auseinandersetzen. Ein weiterer geplanter Beitrag wird eine Auswahl HP-IB gestützter-Messtechnik – in Verbindung mit Rechnern aus der jeweiligen Epoche – vorstellen, die für die Restaurierung historischer Rechner in Werkstatt und Labor eingesetzt wird.
Hinsichtlich Modularität variierte das Konzept der frühen HP Computer. Setzten Modelle der 80er-Series auf Integration, beispielsweise vereinte der HP85 Bildschirm, Tastatur, Bandlaufwerk und CPU in einem Gehäuse (wobei das HP-IB Modul ergänzt werden musste), setzten andere Modelle und Modellreihen, wie der HP150 oder die 9000/300er Serie, zunehmend auf Modularität. Dieses Konzept bedingte schließlich, dass alle verwendeten externen Speicherkomponenten über den HP-IB an die CPU-Einheit anzuschließen waren. Es ermöglicht aber auch ein Austausch von Disketten-, Platten- oder Kombilaufwerken zwischen den verschiedenen Baureihen. So kann beispielsweise ein zunächst an einem HP86B betriebenes Diskettenlaufwerk, wie das 9122, durch einfaches Umstecken auch an einem HP150 genutzt werden.

Abb. 3: Externe HP-Laufwerksmodule, links das 1988 eingeführte Kombilaufwerk HP9153C – mit einer Festplattenkapazität bis zu 40MB und einem HD Floppydrive (1,44MB); Mitte: das 7959B Festplattenmodul mit 304MB Speicherkapazität – hauptsächlich in Verbindung mit der 300er-Serie genutzt. Die 68000er CPU-Module der 300er Serie nutzen das gleiche Gehäusedesign; rechts, der „Klassiker“: das duale Diskettenlaufwerk HP9122D mit zwei 710kB Laufwerken. Es kann in Verbindung mit nahezu allen Bauserien genutzt werden. Die abgebildeten Geräte befinden sich in der Sammlung der Autoren.

Einerlei, ob Messtechnik oder CPUs, alle benötigen für den Betrieb Speichermöglichkeiten. Allerdings sind die mittlerweile in die Jahre gekommenen Laufwerke gegenüber einem Multimeter
oder einem CPU-Modul häufig problematischer in ihrem Erhalt sowie in der Instandsetzung. Zum einen sind defekte mechanische Komponenten schwer zu ersetzen, zum anderen lassen die teilweise EPROM-gespeicherten Plattenparameter nur den Austausch durch eine exakt gleiche Festplatte zu. Sollte sich keine identische Platte beschaffen lassen, bleibt zumeist nur eine aufwendige Rekonfiguration des EPROMs.

Abb. 4: Kritische und schwer bis kaum zu ersetzende Mechanik. Links ein defektes Sony OA-D32W-11, wie es zum Beispiel in einem HP 9122 zu finden ist. Deutlich lässt sich die komplexe Mechanik erkennen. Die häufigste Ursache für ein Versagen ist ein Verkleben ansonsten beweglicher Teile durch Ausharzungen und Verschmutzungen. Eine intensive Reinigung mit Isopropanol und eine (ganz) leichte Schmierung mit einem geeigneten Feinmechaniköl (bspw. Kontaktchemie 88) kann Wunder wirken – muss aber nicht, im vorliegenden Fall war der Schreib-/Lesekopf
abgerissen. Rechts eine defekte 15MB Seagate ST419, ausgebaut aus einem HP9133D Kombilaufwerk.

Für einen Austausch geeignete mechanischen Komponenten sind somit begehrt – und sie werden leider naturgemäß weniger. Zunehmend häufiger findet man „Laufwerke“, die nur noch aus
Gehäuse und Controllerplatine bestehen. Das Diskettenlaufwerk wurde bereits recycelt, zurück bleiben Gehäuse und ein paar elektronische Komponenten. Somit macht es häufig Sinn, in eigenen Projekten oder Versuchsaufbauten die noch verbliebenen Laufwerke zu schonen und für experimentelle Fragestellungen und Testaufbauten nach einer Alternative Ausschau zu halten – für die etwas pragmatischer ausgerichtete Messtechnik gilt das umso mehr, hier werden generell modernere Speicherkonzepte vorgezogen. Im folgenden sollen zwei Konzepte vorgestellt werden, die die Autoren dieses Artikels zum Nachbau angeregt haben und die auf den Internetseiten der jeweiligen Entwickler sehr gut dokumentiert sind. Abschließend möchten wir ein HP-IB Interface für die sogenannten IBM-kompatiblen Rechner vorstellen. Dessen Einsatz lässt den umgekehrten Weg zu: den Betrieb von HP-Laufwerken an einem (HP) DOS-Rechner. Über ein „Weil wir es Können“ hinaus, hat diese Möglichkeit im Test- und Reparaturalltag durchaus seine Vorteile.

 

Der GPIB Disk Emulator

„Fancy being able to store data from your old […]? “ Neben ausgewählter Messgeräte empfiehlt der Entwickler seinen „GPIB disk emulator“ aber auch für Computer, die über ein HP-IB Interface Speichermedien ansprechen können. Die wesentlichen Elemente des „Emus“: ein PIC18F4620 und eine maximal zwei GB große SD-Card. Eine professionell hergestellte Leiterplatte kann über den Entwickler bezogen werden. Neben dem Kartenleser und dem Mikrocontroller sind noch gut zwei Dutzend SMD-Bauteile zu bestücken. Das Verlöten des 44-poligen PIC-Controllers erfordert ein wenig Geduld und Geschick, sollte aber zu machen sein. Die Firmware kann von der WebPage des Entwicklers heruntergeladen werden, hier findet sich auch die ausführliche Dokumentation des Projektes (siehe „Links“). Für die Programmierung des PIC-Controllers wird noch ein entsprechendes Programmiergerät von Microchip o.ä. benötigt, die Autoren haben das Microchip pickit3 verwendet, was problemlos funktionierte. Allerdings: Eine kompakte Bauweise ist durchaus anerkennenswert, die Fehleranalyse wird hierdurch aber leider nicht einfacher. Auch ist es einerlei, ob Eurokartenformat oder nur ein Viertel hiervon. Die Rechner, die den „Emu“ als Speichermedium nutzen, trotzen ein wenig dem Smartphone-Format, daher trägt die smarte Baugröße der Speicherlösung nicht wirklich zu einer Kompaktheit des Gesamtsystems bei. Wie dem auch sei. Die Firmware ermöglicht eine Zugriff auf acht Diskimages. Die Autoren haben sich für ihren Nachbau für drei Schalter entschieden, deren Stellung binär-codiert über das ausgewählte Image entscheidet (siehe Abbildung: Schalter rechts und zugehörige gelbe LEDs). Andere Nachbauten greifen auf BCD-Schalter zurück; wer sich mit einem Image zufrieden gibt, muss das Adressierungsfeature nicht implementieren.

Abb. 5: Der GPIB Disk Emulator-Nachbau der Autoren. Getestet wurde der Nachbau an verschiedenen HP85 und HP86B-Modellen. Schalter links/LED grün: Ein/Aus; Mitte, rote LEDs: Statusanzeigen; Schalter rechts/LEDs gelb: binärcodierte Auswahl Diskimage 0-7. In der rechten Gehäuseseite ist die Öffnung des SD Card Readers erkennbar. Zur Spannungsversorgung ist ein gut stabilisiertes externes 5V-Netzgerät erforderlich. Für die Realisation des Gehäuses kamen openSCAD, LibreCAD, Cura und Estlcam zum Einsatz, gefolgt von einem Rückgriff auf einen i3Berlin 3DDrucker, eine Gravograph VA11 und eine isel Flachbett CNC-Fräse.

Abschließend sollte dennoch darauf hingewiesen werden, dass das Schaltungsdesign eine Schwäche aufweist. Die Kopplung des PIC-Controllers an das computerseitige HP-Interface erfolgt direkt, ohne Pufferbausteine, was den Emulator möglicherweise empfindlich in Bezug auf die Spannungspegel macht. Den Autoren war es bisher nicht möglich, den Emulator an allen verfügbaren Rechnern zu betreiben. Ein HP86B kommuniziert problemlos mit dem Emulator und lässt sich – entsprechend konfiguriert – wie ein HP 9122 Diskettenlaufwerk verwenden. Auch die Kombination mit weiteren am Bus angeschlossenen Laufwerken ist möglich. Somit lassen sich Dateioperationen, wie das Kopieren von Festplatte oder Diskettenlaufwerk auf die SD-Card, durchführen. Allerdings war es mit einigen verfügbaren HP86 Modellen nicht möglich, den Emulator anzusprechen. An dieser Stelle muss aber auch auf eine überarbeitete Version des Emulators durch seinen Entwickler hingewiesen werden. Dieses Upgrade basiert auf einem PIC46K40 und die Firmware erlaubt einen erweiterten Zugriff auf unterschiedliche Diskimages.

 

Das HPDrive-Projekt

Das HPDrive-Projekt setzt gegenüber dem vorgestellten HP Disk Emulator nicht auf eine vollständig neu implementierte Hardware, sondern nutzt einen Windows/DOS-Rechner älterer Bauart in Verbindung mit einer HP-IB Interface Karte. Das HPDrive-Projekt ist Teil des deutlich umfangreicheren HP 9845-Projektes von Ansgar Kückes, dem er eine umfangreiche WebPage widmet (siehe „Links“). Wesentlich für das HPDRive: „GPIB chips based on the NEC μPD7210 industrial standard can be used for emulating HP-IB drives, and all others can‘t.“ In dieser Frage sollte auf jeden Fall die Dokumentation des Entwicklers eingesehen werden.

Ein großer Vorteil des HPDrives ist die Möglichkeit, durch entsprechende Parameterwahl verschiedenste HP-Laufwerkstypen, wie Diskettenlaufwerke unterschiedlicher Formate, eine Anzahl HP-Festplatten und bestimmte Bandlaufwerke, zu emulieren. Auf der hervorragenden Internetseite des australischen HP Computer Museums (siehe „Links“) steht eine Vielzahl von Programmen zum Download bereit. Etwas Vorsicht ist geboten, da die Images zum Teil auf bestimmte Diskettenformate festgelegt sind und nicht einfach auf ein anderes Format kopiert werden können. Beispielsweise steht die Software für das CP/M-Modul (80er Serie) im 5,25″-Format zur Verfügung – die entsprechenden Laufwerke sind aber deutlich schwerer zu finden als 3,5″-Laufwerke. Mit dem Tool „TD2HPI“ (Teledisk 2 HPI;https://www.hp9845.net/9845/projects/utilities/#ima2hpi) kann das Teledisk-Image von der Museumswebseite in das HPI-Format (HP-Image) umgewandelt und das erzeugt Image unter Verwendung des HPDrives als 5,25″-Diskettenlaufwerk bereitgestellt werden. Der HP-Rechner bootet dann bei installiertem CP/M-Modul von diesem Laufwerk.
Nachfolgende Abbildung zeigt den Einsatz des HPDrives als Bootlaufwerk für einen HP150II:

Abb. 6: HPDrive – Booten des HP150II: Nach Aufspielen des HPDrive-Softwarepakets wird nach Aufrufen des Scan-Befehls in der MS-DOS Eingabeaufforderung über die Bereitschaft der GPIB-Hardware informiert. Weiterhin wurde ein Festplattenimage eines bootfähigen 15MB HP9134 aufgespielt (150loaded.hpi, HP Computer Museum). Dieses Image stellt neben dem MS-DOS 3.2 Betriebssystem verschiedene Anwendungen, wie beispielsweise MemoMaker, Lotus 1-2-3 oder Printgraph zur Verfügung, die in gewohnter Weise über das Menü des HP150II aufgerufen werden
können. Über den hpdrive-Befehl können auf gleiche Weise eine Vielzahl verschiedenster Laufwerk-Images aufgerufen werden. Ein Blick in die Dokumentation lohnt sich auf jeden Fall.

 

Das HP-IB Interface 88500A

Bei der HP 88500A handelt es sich um eine HP-IB-Schnittstellenkarte von Hewlett Packard für IBM-kompatible PCs. Mit dieser Karte können bestimmte HP-Diskettenlaufwerke, Festplatten und
Tapelaufwerke an IBM-kompatiblen PCs genutzt werden.

Abb. 7: HP-Laufwerke am DOS-Rechner. Auf dem links gezeigten HP-Vectra ist MS-DOS 6.22 installiert, ausgestattet ist der Rechner mit einer 88500A HP-IB Interface Karte. Diese Konfiguration macht es möglich, HPLaufwerke unter MS-DOS anzusprechen und zu nutzen. Das Konfigurationsmenü zeigt, dass das HP Diskettenlaufwerk 9122 unter dem Laufwerksbuchstaben „F“ anzusprechen ist, wobei sich kein Medium (Diskette) im Laufwerk befindet. Die Möglichkeiten, die sich durch die Verwendung der 88500A ergeben, sind insbesondere für Testzwecke und Fehleranalysen von Bedeutung.

Mit Hilfe der Schnittstellenkarte und unter Verwendung der dazugehörigen Software „HPTEST“ ist es möglich, verschiedene Probleme von Laufwerken und Medien zu erkennen und zu benennen: Unstimmigkeiten, das Laufwerk selbst betreffend, Verbindungs- und Verkabelungsfehler, Medienprobleme oder schlichtweg Inkonsistenzen hinsichtlich der gespeicherten Daten – vorausgesetzt, die entsprechenden Treiber wurden in der config.sys eingebunden. Obwohl die dann generierte Empfehlung hin und wieder auch mal, „[i]f the problem continues, take the (card, cable and) drive to your dealer“, lautet, nimmt man doch häufig konkrete Hinweise auf das zugrundeliegende Problem und somit auch nützliche Erkenntnisse mit.
Der Meldung „No Error“ folgen dann die Details, die man sich über Laufwerk und Medium erhofft – auch ein Test des Mediums ist möglich.

 

Fazit und Ausblick

Die Entwickler des GPIB Disk Emulators und auch des HPDrives haben viel Arbeit und Zeit investiert und für ihre zunächst dedizierten Anwendungen interessante und vor allem funktionsfähige Lösungen realisiert, die jetzt von Interessierten – wie uns – kopiert und in andere Funktionszusammenhänge eingebettet werden (können). Zunächst muss den Entwicklern für diese Arbeiten gedankt werden, dann sollten die Lösungen in ihrem erweiterten Anwendungskontext gesehen, diskutiert und beurteilt werden.
Der Nachbau des Emulators war sehr zeitaufwendig. Bis das System und der Zugriff auf acht Images lief, vergingen einige Wochen. Hierbei zeigte sich insbesondere die Fehleranalyse schwierig, als das System nicht auf Anhieb lief: Gab es Fehler im Aufbau, kalte Lötstellen? Wie beschrieben, war das Verlöten des 44-poligen SMD Chips nicht ganz einfach. Die Kompaktheit des Aufbaus erschwerten die Analyse mit einem Logikanalysator. Oder gab es einen softwareseitigen Fehler? Funktioniert die Firmware einwandfrei? Wurde der Controller richtig programmiert? Bisher greifen nicht alle zur Verfügung stehenden HP86 auf den Emulator zu, wir arbeiten weiter daran. Die Beschaffung älterer SD-Karten mit einer maximalen Speicherkapazität von 2GB gelang nicht unmittelbar. Ein weiteres Handicap stellt der eingebaute 24-polige Centronics Steckverbinder dar. Obwohl kompatibel, wird der IEEE-488 Stecker über eine Verschraubung an der Buchse fixiert, die Centronics-Buchse verwendet einen Drahtbügel. Ohne Fixierung ist der massive Stecker für einen sicheren Betrieb nicht geeignet.
Aber es muss hier nochmals betont werden, dass es nicht Ziel der Entwickler war, die von uns diskutierten Rechner zu bedienen. Mit der Inbetriebnahme steht ein kompaktes, transportables Gerät zur Verfügung, das ausreichend Speicherplatz für eine Vielzahl von Anwendungen bietet. Für Demonstrationen und Ausstellungen muss jetzt kein deutlich größeres und schwereres Originallaufwerk mehr mitgeführt werden, auch kann für eigene Programmierprojekte nun zunächst der Emulator verwendet werden, was die Originallaufwerke schont – und deren zurückgehende Verfügbarkeit war ja ein Ausgangspunkt unserer Ausführungen.
Das HPDrive ist demgegenüber deutlich schneller aufgesetzt und eine stabile und zuverlässige Speicherlösung. Die benötigten Komponenten sind schnell und günstig zusammengestellt. Allerdings steht mit dem HPDrive ein weiterer Rechner auf dem Arbeitstisch, was das Ganze zu einer eher stationären Lösung macht. Die eingesetzten HP-IB Schnittstellenkarten benötigen einen ISA-Steckplatz, was die Verwendung eines ausgedienten Notebooks weitgehend ausschließt. Möglicherweise hätte ein Aufbau mit einer HP-IB PCI-Karte für bestimmte Einsatzgebiete Vorteile.
Der Anwendungsbereich der HP-IB Interfacekarte 88500A wurde benannt. Das Ziel der Autoren ist es nicht, lauffähige HP-Speichermedien an IBM-kompatiblen Rechner unter MS-DOS zu betreiben. Der Vorteil wird hier ausschließlich im Einsatzbei Test- und Reparaturarbeiten gesehen.

Der Ausblick schließt nahtlos an das Fazit an: Die vorgestellten Hardwarelösungen sind mittlerweile seit Längerem Teil unseres „Retro-Alltags“, dennoch sind wir uns bei der einen oder anderen Frage noch nicht ganz schlüssig. Es sind einige neue Hard- und Softwareprojekte geplant, hier werden „Emu“, HPDrive und 88500A nochmals hinsichtlich ihrer Alltagstauglichkeit auf die Probe gestellt. Verfolgen kann das der interessierte Leser auf dieser Webseite.

 

Literatur und Links

Literatur
Nelson, Gerald E.; Ricci, David W. : A Practical Interface System for Electronic Instruments. Hewlett Packard Journal. October 1972, S. 2-7.
Hewlett Packard (Hrsg.): HP-86/87 – Operating and BASIC Programming Manual. December 1982.
Links
GPIB Disk Emulator: „www.dalton.ax/hpdisk
HPDrive-Projekt: „www.hp9845.net/9845/projects/hpdrive
HP Computer Museum: „www.hpmuseum.net

Über die Autoren
Die beiden Autoren haben sich 2017 auf der Classic Computing in Berlin kennengelernt – und sich gegenseitig als „Bewahrer“ von älteren HP-Computerbaureihen zu erkennen gegeben. 2018 trafen sie sich dann erneut – auf der Classic Computing in Oedheim. Auch wenn zwischen den beiden Heimatorten im Emsland und im Odenwald ca. 450 km liegen, tauschen sie seitdem regelmäßig die gewonnenen Erkenntnisse in Bezug auf Aktivitäten rund um historische Hard- und Software untereinander aus und versuchen, bei gemeinsamen Terminen defekte Geräte zu reparieren und Probleme zu lösen.

 

Ergänzender Hinweis : Dieser Artikel erschien in der „LOAD 7“ , dem Vereinsmagazin des „Vereins zum Erhalt klassischer Computer“ und wurde für diese Webseite geringfügig angepasst.

HP 82903A 16K RAM Modul

16 K Speicher-Modul, nur für HP-85 und HP 83

Mit diesem Modul lässt sich der Arbeitsspeicher eines HP 85 oder HP 83 um 16 KB auf 32 KB aufrüsten. Da diese Computer nur maximal 32 KB Arbeitsspeicher nutzen können, kann jeweils nur eines dieser Module verwendet werden.

HP 82909A 128K RAM Modul

128 K Speicher-Module, für HP-85B oder HP-86/87

Mit diesem Modul lasst sich der Arbeitsspeicher des HP 85B um 128 KB aufrüsten. Diese Erweiterungsmodule sind deutlich längr als die 16 KB-Module. Sie entsprechen von der Größe den Modulen für Schnittstellenerweiterungen.

HP 82908A 64K RAM Module

64 K Speicher-Module, für HP-85B oder HP-86/87

Mit diesem Modul lässt sich der Arbeitsspeicher eines HP 85B, HP 86, HP 86B oder HP 87 um 64 KB aufrüsten. Diese Erweiterungsmodule sind deutlich längr als die 16 KB-Module. Sie entsprechen von der Größe den Modulen für Schnittstellenerweiterungen.

HP 82900A CP/M Modul

Die HP 86/87-Rechner können auch mit dem Betriebssystem CP/M genutzt werden. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, unter den vielen Programmen für die Lösung von Problemen auf allen Gebieten zu wählen, die für CP/M geschrieben wurden. CP/M unterstützt Software für Textverarbeitung, Datenbankverwaltung und eine Vielzahl von Programmiersprachen.
Für die Nutzung von CP/M benötig man das Erweiterungsmodul, welches einen Zilog Z80 Mikroprozessor und 64 Kilobytes eigenständiges RAM enthält. Wenn diese Modul beim Start des Rechners in einem Erweiterungsschächte steckt, arbeitet es als autonomer Computer und verwendet den HP86/87 als leistungsfähiges Terminal. Das Betriebssystem CP/M selbst wird auf einer 5,25″ Diskette geliefert.

 

HP 82906

Markteinführung 1983
Land: USA
Preis: 995 $

Epson FX-80, 160 cps,

 

HP 9122 (3,5″)

Markteinführung 1984
Land: USA
Preis: 965 $; 1270 $

Beim HP 9122 handelt es sich um eine Laufwerkseinheit mit 3,5 Zoll Diskettenlaufwerken. Das Gerät wurde in verschiedenen Versionen auf den Markt gebracht :

HP 9122 S : DS/DD-Disk, 720 KB

HP 9122 C : HD-Disklaufwerke, 1,42 MB

Die Laufwerkeseinheiten werden über das SS/80-Protokoll angesprochen. Angeschlossen werden sie mittels HP-IB.

Die Geräteadresse kann über Dipschalter auf der Rückseite des Laufwerks eingestellt werden.

Monitor HP 82913A

HP 82913A
Markteinführung 1982
Land: USA
Preis: 325 $
12″ Monochrom

HP 82901 M (5,25″)

Markteinführung 1980
Land: USA
Preis: 2200 $
Beim HP 82901 M handelt es sich um einen Diskettenlaufwerkseinheit, die

per HP-IB angeschlossen

2 x 5,25 “ – Laufwerke, Kapazität 280 KB

AMIGO-Laufwerk

kann um Zusatzeinheit erweitert werden, gibt auch Einheiten mit nur einem Laufwerk

 

Port-Extender Serie 80 Computer

HP-IB Portextender

Mit diesem Port-Extender können die vier Erweiterungssteckplätze der HP Serie 80 Computer um drei weitere Steckplätze ergänzt werden. Kein offizielles HP-Produkt, hergestellt durch Drittanbieter, allerdings unter Verwendung von original-HP-Teilen.